Ruhige Hände im Sattel – So wird deine Zügelführung wirklich fein
Jede Reiterin kennt das Ziel: feine Hilfen, leichte Verbindung, ein Pferd, das zufrieden am Zügel kaut. Doch in der Praxis? Da „wackelt“ die Hand mit jeder Bewegung im Trab, der Zügel wird unruhig, und das Pferd beginnt, gegen die Hand zu gehen oder sich festzumachen.
Ruhige Hände, unabhängig vom Reitersitz, sind der Schlüssel zu einer feinen Verbindung – und damit zu einem losgelassenen, zufriedenen Pferd. Aber: ruhige Hände beginnen nicht bei der Hand. Sie beginnen beim Sitz, bei deiner Körpermitte – und nicht zuletzt bei deiner Körperwahrnehmung.
In diesem Blogartikel erfährst du:
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Warum deine Hand vielleicht mehr „rückwärts“ wirkt, als dir lieb ist,
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wie dein Sitz und deine Körperkontrolle deine Zügelführung beeinflussen,
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und wie Reiterfitness dir helfen kann, eine ruhige Hände zu entwickeln.
Warum sind ruhige Hände so wichtig?
Die Hand der Reiterin ist ein direktes Kommunikationsmittel zum Pferdemaul. Jede Bewegung – ob gewollt oder ungewollt – wird vom Pferd wahrgenommen. Eine ruckartige, zappelnde oder rückwärts wirkende Hand fühlt sich für dein Pferd unangenehm an und stört nicht nur die Losgelassenheit, sondern auch das Vertrauen.
Ruhige Hände:
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folgen der Bewegung des Pferdes weich,
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halten eine konstante, elastische Verbindung,
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wirken niemals ziehend oder unklar,
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lassen deinem Pferd Raum, sich an die Hand heranzudehnen.
Doch genau das ist gar nicht so leicht, wenn der Oberkörper mitschwingt, der Sitz instabil ist oder man unbewusst mit den Händen kompensiert.
Die häufigsten Ursachen für eine unruhige Hand
1. Fehlende Stabilität im Rumpf
Wenn dein Körper wackelt, wackelt deine Hand mit. Gerade im Trab und Galopp ist eine gute Rumpfstabilität notwendig, um die Bewegungen deines Pferdes auszugleichen – ohne sie mit der Hand abzufangen.
2. Falsche Armhaltung
Sind deine Ellenbogen zu steif oder kleben zu sehr am Körper, kann die Hand nicht frei mitgehen. Auch zu tief oder zu hoch getragene Hände führen zu unklaren Signalen.
3. „Zu viel wollen“
Manche Reiterinnen halten unbewusst zu viel fest, wollen das Pferd „an den Zügel bringen“ – und wirken dadurch rückwärts. Dabei geht feines Reiten immer nach vorne – nie gegen das Pferdemaul.
Wie du eine unabhängige Hand entwickelst
1. Der Sitz ist die Basis
Deine Hand kann nur dann ruhig bleiben, wenn dein Sitz stabil ist. Und das bedeutet: Du brauchst ein balanciertes Becken, eine aktive Körpermitte und eine gut koordinierte Muskulatur.
➡️ Wenn dein Becken mitschwingt, dein Oberkörper ausbalanciert bleibt und deine Schultern entspannt sind, kann deine Hand ruhig und locker mitgehen – ganz ohne Anstrengung.
2. Beweglichkeit im Schulter-Arm-Bereich
Ruhige Hände brauchen elastische Schultern, bewegliche Ellenbogen und weiche Handgelenke. Oft ist nicht die Hand das Problem – sondern die fehlende Mobilität im Schultergelenk.
➡️ Eine gute Übung: Stell dich aufrecht hin, nimm die Arme in Reitposition und bewege deine Unterarme leicht auf und ab, ohne die Schultern zu heben. Fühlst du Spannung oder Blockaden? Dann ist Mobilisation gefragt.
3. Die richtige Haltung im Sattel
Achte darauf, dass:
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deine Hände vor dem Sattel schweben – etwa auf Zügellänge,
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deine Ellenbogen locker am Körper liegen, aber nicht klemmen,
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du aus dem Oberarm heraus „mitatmest“ – also weich und dynamisch mitgehst.
Tipp: Stell dir vor, du trägst in jeder Hand eine Tasse Kaffee – und möchtest nicht kleckern, während du trabst.
Wie Reiterfitness dir hilft, eine ruhige Hand zu entwickeln
Reiterfitness ist weit mehr als ein bisschen Dehnen und Bauchtraining. Es geht darum, dein Körperbewusstsein zu schärfen, deinen Sitz zu verbessern und gezielt an deinen Schwächen zu arbeiten – und genau da liegt die Verbindung zur Handhaltung.
Zielgerichtetes Training bringt:
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Stabilität im Rumpf (z. B. durch Planks, Side-Planks oder Pilates),
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Mobilität in Schultern und Armen (z. B. Schulterkreisen, Armkreise mit Gewichten),
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Koordination und Symmetrie, damit deine rechte und linke Körperhälfte gleich arbeiten.
Beispielübung für zuhause:
Setz dich auf einen Gymnastikball, nimm zwei leichte Wasserflaschen in die Hände, hebe die Arme in Reithaltung und balanciere für 60 Sekunden, ohne zu zittern oder zu „reißen“. Ziel: stabile Körpermitte + entspannte Arme = ruhige Hand.
Die häufigsten Denkfehler – und was du stattdessen tun solltest
Denkfehler | Besser so: |
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„Ich muss mein Pferd halten“ | Dein Pferd trägt sich selbst. Du begleitest nur. |
„Ich ziehe nicht, ich halte nur fest“ | Halten ist auch ein Ziehen – mach die Verbindung weich und federnd. |
„Meine Hände sind ruhig, wenn ich nichts mache“ | Die Hand ist nie „tot“ – sie lebt mit der Bewegung. Nur ruhig, wenn du auch sitzt. |
Fazit: Deine ruhigen Hände beginnen in deinem Sitz
Wenn du wirklich eine ruhige, unabhängige Hand willst, fang nicht bei der Hand an – sondern bei deinem Sitz. Je besser du ausbalanciert bist, desto weniger muss deine Hand kompensieren.
Reiterfitness kann dich gezielt dabei unterstützen: durch mehr Körperbewusstsein, Mobilität und Kraft. So wird deine Hand wirklich unabhängig – und dein Pferd kann sich vertrauensvoll anlehnen, statt gegen die Hand zu arbeiten.
Ruhige Hände sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis von bewusster Arbeit – an dir selbst.