Klemmende Beine beim reiten

Klemmende Beine und hochgezogene Absätze – und wie du sie vermeidest

Klemmende Beine und hochgezogene Absätze – und wie du sie vermeidest

Die Vorstellung klingt traumhaft: Du sitzt entspannt im Sattel, denn deine klemmende Beine gehören der Vergangenheit an. Nun liegen sie weich am Pferd. Deine Absätze sinken ganz von selbst nach unten in die richtige Position, ohne dass du dran denken musst– und dein Pferd reagiert fein auf deine Hilfen, weil es deine Spannung in den Beinen nicht mehr als unangenehm empfindet.

Doch in der Realität überwiegen klemmende Beine. Die Knie drücken fest gegen das Sattelblatt, und die Absätze bleiben nicht da wo sie sein sollten, sondern rutschen immer wieder hoch.

Wenn du dich hier wiedererkennst: Keine Sorge – du bist nicht allein!

Viele Reiterinnen kämpfen mit genau mit diesem Problem. Die gute Nachricht ist:

Klemmende Beine und hochgezogene Absätze sind kein Schicksal, sondern sie sind oft ein Zeichen für Verspannung, fehlende Beweglichkeit oder einen instabilen Sitz. Und daran kann man wunderbar arbeiten.

In diesem Artikel erfährst du:

  • warum klemmende Beine entstehen.

  • was hochgezogene Absätze mit deiner Hüfte zu tun haben,

  • und wie du mit gezielter Reiterfitness zu langen, losgelassenen Beinen findest – ganz ohne Klammerei.


Warum klemmen wir eigentlich?

 

Klemmende Beine sind oft eine unbewusste Reaktion:

Wenn wir im Sattel das Gleichgewicht verlieren oder uns nicht sicher fühlen, versuchen wir, uns festzuhalten. Die Beine werden zur „Notbremse“ – doch genau das blockiert die Bewegung des Pferdes und stört unsere feine Hilfengebung.

Typische Auslöser für klemmende Beine:

  • Instabiler Sitz – besonders im Trab oder Galopp

  • Fehlende Rumpfkraft – die Beine kompensieren die fehlende Kraft im Bauchmuskel

  • Verspannte Hüfte – das Bein kann nicht lang nach unten fallen, weil die Hüfte zu unbeweglich ist

  • Mentale Anspannung – Angst oder Unsicherheit führen zu Festhalten


Hochgezogene Absätze – ein Zeichen von Spannung

Wenn die Fersen ständig hochrutschen, liegt das oft nicht am Fuß – sondern an der gesamten Beinlinie. Ist der Oberschenkel zu stark dran oder das Becken nach hinten gekippt, ziehen sich auch die Unterschenkel hoch. Das Resultat: klemmende Beine, instabile, wackelige Unterschenkel und oft auch störende Schenkelhilfen.

Dazu kommt: Viele Reiterinnen versuchen, den Absatz „aktiv“ nach unten zu drücken – was zu Verkrampfung führt. Der Absatz sollte aber passiv sinken, als Folge eines losgelassenen Beins und einer entspannten Hüfte.


Was lange, lockere Beine wirklich brauchen

 

1. Eine bewegliche Hüfte

Die Hüfte – also das Becken ist das Zentrum deines Sitzes. Erst wenn sie beweglich ist, kann dein Bein lang nach unten hängen, das Becken mitschwingen, und du sitzt weich im Sattel.

Tipp: Tägliche Mobilisationsübungen wie Hüftkreisen, tiefe Ausfallschritte oder „Happy Baby“-Stretch aus dem Yoga helfen dir, Spannungen zu lösen. Mehr Übungen findest du hier in meinem PDF- 8 effektive Übungen für Reiter (für 0.-)

2. Eine stabile Körpermitte

Wenn deine Bauch- und Rückenmuskulatur dich nicht trägt, versuchen deine Beine, dich zu stabilisieren – und fangen an zu klemmen.

Tipp: Reiterfitness mit Fokus auf Core-Training (z. B. Planks, Dead Bugs, Reiter-Pilates) macht dich unabhängig von deinen Oberschenkeln. Mehr Übungen findest du hier in meinem PDF- 8 effektive Übungen für Reiter (für 0.-)

3. Lockerheit im gesamten Bein

Das Bein sollte wie ein schwerer, weicher Vorhang am Pferd herunterhängen – nicht wie ein Brett. Dazu brauchst du nicht nur Beweglichkeit, sondern auch ein gutes Gefühl für dein eigenes Bein.

Tipp: Stell dir beim Reiten vor, dein Bein wird schwer – deine Oberschenkel schmelzen Richtung Erde, deine Fersen sinken wie von selbst.


Drei praktische Übungen für zuhause

Hier kommen drei einfache Übungen, die dir helfen, deine Beine zu entklemmen und deine Absätze sanft nach unten sinken zu lassen:

🧘 1. Hüftöffner im Sitzen

Setz dich im Schneidersitz auf den Boden. Lehn dich mit geradem Rücken leicht nach vorn, bis du ein Dehnen in der Hüfte spürst. Atme tief ein und aus. 3x täglich für 60 Sekunden.

🧍‍♀️ 2. Wand-Kniebeuge mit Fersenfokus

Stell dich mit dem Rücken an die Wand, Beine schulterbreit, und rutsch langsam in die Knie. Halte die Position, ohne die Fersen anzuheben. So trainierst du Beinlänge und Fersenkontakt.

🪑 3. Reiterstellung mit Feedback

Setz dich auf einen Hocker oder Gymnastikball. Nimm Reithaltung ein, Beine hängen locker. Lass jemand leicht an deinen Unterschenkeln ziehen – wenn du „hältst“, merkst du, wo du unbewusst klemmst. Ziel: locker bleiben trotz Korrektur.


So setzt du das im Sattel um

Wenn du locker sitzen möchtest, hilft dir ein bewusster Einstieg ins Reiten:

  • Starte jede Einheit mit ein paar Minuten Schritt am langen Zügel, konzentrier dich auf Atmung und Lockerheit in Beinen und Hüfte.

  • Stell dir vor, deine Beine sind wie nasse Handtücher – schwer und weich.

  • Wenn du merkst, dass du klemmst: Reitpause, durchatmen, bewusst lösen.

Wichtig: Du musst nicht „durchhalten“, wenn du fest wirst. Klemmende Beine verschwinden nicht durch mehr Wollen – sondern durch mehr Loslassen.

1. „Dein Bein ist ein schwerer Schal, der locker am Pferd liegt“

Stell dir dein Bein wie einen langen, weichen Schal aus schwerem Stoff vor, der seitlich locker am Pferdekörper herunterhängt. So arbeitest du gegen Klemmen und fixierst dein Bein nicht aktiv.

2. „Wasser fließt vom Oberschenkel bis zur Ferse“

Visualisiere, wie warmes Wasser vom Oberschenkel durch das Bein bis zur Ferse fließt. Dieses Bild unterstützt die Vorstellung von Weichheit, Fluss und Loslassen in der gesamten Beinlinie.


Fazit: Lange Beine brauchen keinen Druck – sondern Vertrauen

Klemmende Beine und hochgezogene Absätze sind kein Zeichen von Schwäche – sondern ein Signal deines Körpers, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Mit gezielter Reiterfitness, mehr Bewusstsein für deine Hüfte und einem stabilen Sitz kannst du deinem Körper wieder beibringen, locker und funktional zu arbeiten. Hier findest du weitere Übungsanregungen.

Und das Beste: Dein Pferd wird es dir danken. Denn ein losgelassener Reitersitz mit weichen Beinen schafft die Grundlage für feines Reiten – und echte Harmonie im Sattel.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert